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Schweizerinnen und Schweizer, die ihren Wohnsitz ins Ausland verlegen, bilden die «Fünfte Schweiz». Für eine erfolgreiche Auswanderung ist das Erledigen von Formalitäten unerlässlich. Doch nicht nur Rechtliches und Finanzielles ist zu klären. Entscheidend ist, wie die Integration im neuen Heimatland gelingen kann. Zusätzlich gibt Petra Marty Zan, Kundenberaterin im Auslandschweizerteam bei der Zürcher Kantonalbank und ehemalige Auslandschweizerin, Tipps und berichtet, wie ihr damals der Start in Argentinien gelungen ist und was ihr geholfen hat, alles zu meistern.

Was ist punkto Finanzen zu beachten?
Bei einem Wegzug aus der Schweiz ergeben sich im neuen Wohnland neue Lebenskosten. Daher lohnt es sich, das Startkapital zu berechnen und einen Finanzplan zu erstellen. Häufig sind Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer darauf angewiesen, auch nach dem Domizilwechsel ins Ausland eine Bankverbindung in der Schweiz aufrechtzuerhalten; dies kann zum Beispiel für die Hypothek oder die Auszahlung der Pensionskassengelder erforderlich sein. Zudem muss in einigen Ländern zuerst ein Vermögens- oder Einkommensnachweis erbracht werden, um ein lokales Bankkonto eröffnen zu können. Die stabile Wirtschaftslage der Schweiz und der starke Franken sind ebenfalls mögliche Gründe, weshalb es sich lohnen kann, ein Schweizer Bankkonto auch nach der Auswanderung beizubehalten. Ebenso, dass je nach neuem Wohndomizil nur noch bestimmte Anlagelösungen zur Verfügung stehen. Sofern Immobilien vorhanden sind, sollten idealerweise die Laufzeitfälligkeit der Hypothek und allfällige Auswirkungen auf die Tragbarkeitsprüfung geprüft werden – dies gilt besonders, wenn das Eigenheim nach der Auswanderung vermietet wird. Ebenfalls ist es vor einer Auswanderung empfehlenswert, die Kontokonstellation inklusive aller Vollmachten zu überprüfen.

Auch im Bereich Vorsorge und Steuern ist es ratsam, frühzeitige Abklärungen zu treffen. Diese können je nach Land stark variieren. Deshalb sollten sich Auslandbürgerinnen und -bürger vor der Auswanderung bei einem Experten oder einer Expertin im neuen Wohnland vor Ort über die geltenden Regelungen und steuerlichen Aspekte z.B. bei einer Auszahlung des Vorsorgekapitals informieren.

Was gilt es in Bezug auf Versicherungen zu beachten?
Mit dem Domizilwechsel ins Ausland entfällt fast immer die hierzulande geltende gesetzliche Verpflichtung zur Kranken- und Unfallversicherung. Auswanderinnen und Auswanderer sollten sich deshalb frühzeitig bei Schweizer oder internationalen Krankenversicherern über ihre Optionen erkundigen und in Erfahrung bringen, wie das Gesundheitssystem im neuen Wohnland aufgebaut ist. Da die Anforderungen an Krankenversicherungen individuell sind, prüfen Sie je nach Bedürfnis zusätzliche Leistungen. Falls das neue Domizilland eine obligatorische Versicherung anbietet, ist es ratsam zu prüfen, ob eine vorübergehende Lösung erforderlich ist, bis diese aktiv ist und ob die obligatorische Lösung den gewünschten Standard bringt.

Einzelne Schweizer Krankenversicherungen bieten auch internationale Dienstleistungen an. Als weitere Option stehen internationale Anbieter zur Verfügung. Es empfiehlt sich bei den internationalen Versicherungslösungen zu prüfen, ob für die Schweiz selbstverständliche Versicherungsleistungen, beispielsweise Schwangerschaften, inkludiert sind. Wichtig zu beachten ist, dass die Versicherungslösungen bei Schweizer Krankenversicherungen vor der Abmeldung bei der Gemeinde abgeschlossen werden müssen.

Zusätzliche Tipps
Grundsätzlich ist es empfehlenswert, sich vor der Ausreise intensiv mit den Gegebenheiten im neuen Wohnland zu befassen, um ein besseres Verständnis für die alltäglichen Herausforderungen der Einwohnerinnen und Einwohner zu erlangen und einen eigenen Umgang damit zu finden. Wichtig zu wissen ist, dass Auslandschweizerinnen und -schweizer immer Teil der Schweiz bleiben und weiterhin an Wahlen und Abstimmungen teilnehmen können. Hierfür muss jedoch ein Gesuch bei der schweizerischen Vertretung eingereicht werden.

Die Zürcher Kantonalbank hat eine Checkliste erstellt, um Sie bei der Vorbereitung zu unterstützen. Zudem berät Sie Soliswiss (https://soliswiss.ch/) umfassend zu allgemeinen Fragen rund ums Auswandern, Globetrottern, Reisen und Rückwandern in die Schweiz.

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“Das Land ändert sich nicht für einen” – eine ehemalige Auslandschweizerin berichtet

Petra Marty Zan ist bei der Zürcher Kantonalbank Kundenberaterin im Team für Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer. Als ehemalige Auslandschweizerin erzählt sie, wie ihr damals der Start in Argentinien gelungen ist.

Petra Marty Zan
Petra Marty Zan

Können Sie sich noch an die ersten Eindrücke in Ihrer alten Wahlheimat Argentinien erinnern?
Ich befand mich auf der Rückreise in die Schweiz und im Taxi zum Flughafen von Buenos Aires verspürte ich das Gefühl: Ich möchte hierbleiben. Doch erst Jahre später, 2008, wanderte ich schliesslich aus. Meine Erwartungen waren riesig; es mischte sich das Gefühl der Aufbruchstimmung mit dem der Vorfreude auf das Neue und Unbekannte. Ich war voller Tatendrang, hatte mitunter zu viele Pläne und Vorsätze auf einmal. Schliesslich war mein Traum Realität geworden.

Mit welchen Herausforderungen waren Sie im neuen Wohndomizil konfrontiert?
Eindeutig: Beim Auswandern landet man schnell auf dem Boden der Realität. Es läuft nicht immer alles so reibungslos und einfach. Da sind die kulturellen Unterschiede, mit denen man täglich konfrontiert ist. Es empfiehlt sich, sich zu integrieren, wo es nur geht, um zu verstehen, wie die Leute ticken. Dabei geht es nicht nur um die Sprache, sondern überhaupt um die Themen, die sie beschäftigen, ihre Interessen, ihre täglichen Abläufe, ihre Lebensweise.

Können Sie das bitte ausführen?
Das tägliche Lernen von neuen Dingen und das Hineinwachsen in eine neue Kultur war anspruchsvoller als gedacht. Ich musste mich immer wieder ermahnen, offen, neugierig und flexibel zu bleiben. Oberflächlich vor sich hin zu leben, bringt einen auch hier nicht weiter. Wie wir alle wissen: Kommunikation ist kulturell geprägt. Die Direktheit der Argentinierinnen und Argentinier hat mir anfänglich sehr grosse Mühe bereitet. Sie reden sogar häufig in Befehlsform. Eine deutschstämmige Argentinierin klärte mich dann auf, dass direkte Kommunikation Ausdruck von Nähe und Vertrautheit ist. Ich verstand. Umgekehrt gilt: Je höflicher die Kommunikation ist, desto distanzierter ist die Person. Also habe ich meine Kommunikation an die argentinischen Umgangsformen angepasst.

Das Akzeptieren und der Umgang mit neuen Gegebenheiten sind aus meiner Sicht voll und ganz von den Erwartungen abhängig. Anfänglich, natürlich noch mit der Schweizer Effizienz, Exzellenz und Pünktlichkeit im Hinterkopf, war ich täglich frustriert. Ich wollte mehrere Dinge am selben Tag erledigen, was in der Schweiz kein Problem ist. In Argentinien war jedoch nur ein Bruchteil davon möglich. Beispielsweise gab es häufig Streiks in der Metro und Busausfälle. Auch waren teilweise die Bankfilialen mitten am Tag geschlossen, weil eine Angestellte oder ein Angestellter zwischendurch den Bankautomaten mit Geld aufzufüllen hatte. Ein weiteres Problem ist die Inflation und die daraus resultierende Wertminderung der Währung. So wurden Kauftransaktionen mit der Kreditkarte wegen der zu tiefen Kartenlimite abgelehnt. Erst mit der Zeit gewöhnte ich mich an die Umstände. Mir half, meine Erwartungen herunterzuschrauben und flexibler und spontaner unterwegs zu sein.

Was war vor allem förderlich, sich zu integrieren und die Herausforderungen zu meistern?
Es hört sich so selbstverständlich an: Aber als Neuankömmling muss einem bewusst sein, dass sich ein Land nicht für einen ändert. Vielmehr habe ich mich an Land und Leute anzupassen. Dann gelingt meiner Meinung nach eine erfolgreiche Integration in eine fremde Umgebung mit einer anderen Kultur. Dies ist zugleich das Faszinierende daran – die persönliche Entwicklung. Stetig erweitert sich der eigene Horizont, es hört nicht auf. Es war eine 13 Jahre dauernde Erfahrung, die ich niemals missen möchte.

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